PURPUR



Ein musikalisches Fest im Forstbotanischen Garten Eberswalde 23. bis 25. Juli 2004
Freitag, 23. Juli, 21 Uhr
World Beat:
Zabriskie Point (D)


Zabriskie Point
Rupert Stamm (vibraphon, marimba) - Jochen Krämer (perc, drums, voc) - Johannes Gunkel (bass) - special guest: Michael Schiefel (voc)
Die aktuelle Musik von Zabriskie Point, die Band gibt es bereits seit 1991 und hat knapp 400 Konzerte in Europa und Afrika gespielt, bewegt sich zwischen Worldbeat, Nujazz und Ambient. Spacesounds, wabernde Vibrophonklänge und afrikanische Rhythmen säumen den Weg in ein mal fremdartig und exotisch, mal anmutig und wohlbekannt wirkendes Klang-Universum. Zabriskie Point spielt druckvoll und zart, abgeklärt und experimentell und schafft eine ideale Balance von Grooves und Atmosphären!
www.zabriskie-point.de
Sonnabend, 24. Juli, 17 Uhr
Brasilianische Musik:
Angela Frontera & Band


Angela Frontera



Wichtiger Hinweis! Programmänderung!
Liebe Konzertfreunde, liebe Konzertfreundinnen!
Wegen einer Erkrankung der Sängerin Rosanna Tavares mußte die brasilianische Band „Rosanna & Zélia“ in dieser Woche all ihre Sommerkonzerte absagen, so auch den geplanten Auftritt in der kommenden Woche im Rahmen des purpur-Festes im Forstbotanischen Garten Eberswalde. Kurzfristig konnte jedoch mit der Band der Ausnahmepercussionistin Angela Frontera eine andere rein brasilianische Gruppe für das Konzert am Sonnabend, dem 24. Juli 2004 gewonnen werden. Die in Sao Paulo geborene Angela Frontera, in Deutschland einem breiterem Publikum vielleicht durch ihre Auftritte in der Harald-Schmidt-Show bekannt, hat nicht nur in Sachen Samba, Bossa Nova, Olodum, Salsa, Merenge und anderen lateinamerikanischen Rhythmen ihr enormes Potential eindrucksvoll bewiesen, sondern auch in Pop-, Rock-, HipHop- und unzähligen Jazz-Projekten. Ausdruck ihrer Wertschätzung unter Künstlern und Künstlerinnen ist auch ihre Zusammenarbeit mit Grace Jones, Airto Moreira, Edo Zanki, Nina Hagen, Lou Bega u.v.a.; mit Joe Zawinul und dem Buena Vista Social Club war sie auf Tour. Das zu erwartende brasilianische Feuerwerk lebt nicht nur von den explosiven Percussion-Fills und -Soli der Bandleaderin, sondern auch von einer mitreißenden Band. In Eberswalde wird Angela Frontera unterstützt von Tavinho Tavares (g, voc) und Giovanni da Silveira (bass), sowie Marcio Tubino (sax, fl). Als „special guest” erwarten wir zudem die Sängerin Simone Miranda.
Sonntag, 25. Juli 11 Uhr
Frühstück mit Livemusik


Eleonore Gliewe “Wildkräuter - Vegetarisches Catering” (Buffet) und Henrik Walsdorff (D, sax) - Fabian Giesler (CH, bass) …ein Fest für alle Sinne! www.wildkraeuter-catering.de

Alle Konzerte finden open air
im Forstbotanischen Garten
(über den Haupteingang Am Zainhammer) statt.
Eintritt 23. u. 24.7.: 10/7 EUR. Eintritt 25.7.: 12 EUR / Kinder bis 7 J. frei, 8 - 14J. 6 EUR
Kartenvorverkauf:
Eberswalder Tourist Information,
Steinstr. 3, T: 03334-64520

Rückblicke:
Garagensommer 2000
Purpur 2001
Purpur 2002
Purpur 2003
purpur - ein musikalisches Fest im Forstbotanischen Garten Eberswalde wird vom Begegnungszentrum Wege zur Gewaltfreiheit e.V. in Kooperation mit dem Forstbotanischen Garten veranstaltet.
Programm und Gesamtorganisation:
Udo Muszynski Konzerte + Veranstaltungen
udo.muszynski@t-online.de, T + F: 033451-60721
www.mescal.de/muszynski
Plakat, Programmheft, Website:
Carsten Storm
Technik: Andreas Gläßer
Licht: Henrik Schade
Catering: Eleonore Gliewe
Mit freundlicher Unterstützung durch: Kulturämter der Stadt Eberswalde und des Landkreises Barnim, Hotel am Brunnenberg

Rezension:
Thomas Melzer in der Märkischen Oderzeitung, 26. Juli 2004
Musik im Einklang mit der Natur Sommerfestival "Purpur" im Forstbotanischen Garten Eberswalde

Welch Wohlklang bereits im Namen: Tausendgüldenkraut heißt die Heilpflanze des Jahres, ist eingangs des Forstbotanischen Gartens in Eberswalde zu erfahren. Diesen romantischen Ort - geglückte Verbindung von akademischem Aboretum und sinnlicher Parkanlage - mit einem Weltmusikfestival zu bespielen, kann nur gelingen, wenn die Musik den quasi für das menschliche Ohr unhörbaren Eigenklang des Naturidylls aufgreift und verstärkt. Den am vergangenen Wochenende nun schon traditionell unter dem Namen "Purpur" veranstalteten Sommerkonzerten gelang dies in bezaubernder Weise.
Am Freitagabend gastierte hier die Kölner Band "Zabriskie Point", benannt nach einem gleichfalls mythischen Ort im kalifornischen Death Valley. Ihre aus tausenderlei Quellen gespeiste Musik entzieht sich jeder Einordnung. Vordergründig geprägt wird sie von warmen Marimba- und Vipraphonklängen, die Kontrabaß, diverse Schlaginstrumente und phrasierender Gesang filigran umranken. Ein Tausendgüldenkraut-Sound. Zabriskie Point heißt auch ein Kinofilm von Michelangelo Antonioni; eine Geschichte über das Weglaufen, über eine Auszeit aus der Gesellschaft. Die gleichnamige Band bedarf hierfür der Worte nicht. Die Schwerelosigkeit ihrer Musik übertrug sich auf den Hörer, je weiter er sich vom Ort des Musizierens entfernte. Außer Sichtweite der Bühne, unter alten Bäumen, im Wiederschein der vielen Öllämpchen, verschmolzen die Klänge zu einem organischen Ganzen mit der Natur und schufen, was Musik in ihren besten Momenten bewirken kann: eine Ahnung von der möglichen Leichtigkeit des Seins.
Schwerer wiegt auch das Lebensgefühl nicht, das tags darauf die Angela Frontera Band aus Brasilien verbreitete. Die namens- und offensichtlich auch sonst tonangebende Bandchefin - geschätzt kaum anderthalb Meter groß - legte an den Trommeln den knackigen Rhythmus vor. Derlei Temperament ist in Deutschland einfach nicht zu Hause. Mit zunehmender Konzertdauer entdeckten auch einige Eberswalder den Südamerikaner in sich und tanzten. Viele fühlten sich an die in zahlreichen Plattensammlungen steckende LP "The Girl from Ipanema" mit Stan Getz und Joao Gilberto erinnert. Hier, auf der sonnengefleckten Lichtung, wurde die brasilianische Samba-Musik jedoch nicht nur in der unterkühlten Bossa-Nova-Spielweise, sondern auch in ihrer ursprünglich derben, vulgären Form gespielt. Die Musiker der Frontera-Band stammen aus verschiedenen Regionen Brasiliens und waren dort sowohl städtischen als ländlichen Einflüssen ausgesetzt. Entsprechend groß ist ihr Repertoire, das sie für jedes Konzert neu zusammenstellen. Angesichts des in Eberswalde ungewöhnlich buntgemischten Publikums bekannten sie anschließend Irritationen in der Programmauswahl. Tatsächlich Probleme bereitete das dichte Nebeneinander von alternativen Studenten und braven Pensionären allein dem Techniker - bei der Wahl einer angemessenen Lautstärke.
Die kultivierte Gelassenheit erreichte am Sonntagvormittag ihren Höhepunkt. Den Besuchern bot sich ein Anblick wie auf einem Gemälde von Max Liebermann: Die sonnengeflutete Lichtung, umrankt von hohen Bäumen, mit Frühstückstischen bestückt, am Rande der Saxophonist Henrik Walsdorff und der Bassist Fabian Giesler. Und während die melancholischen Jazzschnipsel Richtung Himmel lichterten, das - an diesem Ort natürlich vegetarische - Büffet mit leichter Kost verwöhnte, hätte Purpur eigentlich nie zu Ende gehen dürfen.
"Hold your breath an be still", lautet das Mantra der Zabriskie Point-Musiker, "halte den Atem an und halte inne". Der Montag wird es schwer haben.