Biografisches
Matthias Schwarz wurde 1971 geboren. Seit 1974 lebt er in Eberswalde.
Als 16jähriger trat er der Gruppe (Neue) Malerei bei und wurde in
jener Zeit auch Mitbegründer des Kunstvereins "Die Mühle
e.V.", dem er bis 1995 angehörte. 1994 gründete er mit
Künstlerfreunden die Gruppe un, die gemeinsam Lyrik und Grafiken
publiziert und Ausstellungen gestaltet. Seit 2000 zeichnet er vermehrt
bei Konzerten. Aus diesen Skizzen entstanden die hier gezeigten Drucke.
Fotos aus dem Atelier
<<< 2008 - Fotos von Torsten Stapel
<<< 2006 - Werkstattfotos
Veröffentlichungen
1997 "Lyrisches Ja-Buch für Piranhaparties" *
1999 "unhuhnbuch"
*
2000 "Kleiner Eberswalder Kneipenführer" *
2001 "Konzerte"
2007 "Konzerte" (Katalog)
* gemeinsam mit den Mitgliedern der Gruppe un
Ausstellungen
Einzel- und Gruppenausstellungen in Chorin, Dresden, Eberswalde, Friedersdorf, Fürstenwalde, Gera, Greifswald, Großhennersdorf,
Hoyerswerda, Meißen, Müncheberg, München, Neuhardenberg, Schwedt, Seeth, Strausberg
Ausstellungen und Aktionen 2012:

07.03. bis 06.05.2012 „Junge Grafik“ im Pommernhus Greifswald
Unter dem Titel "Junge Grafik" findet im Greifswalder Pommernhus eine Gruppenausstellung statt. Die Teilnehmer sind Hanna Birgit Neumann, Sven Bremer, Kristian Salewski und Matthias Schwarz.
Die Vernissage ist am 7. März um 19.00 Uhr im Pommernhus, Knopfstraße 1, 17489 Greifswald.
www.pommernhus.de
Grafik: Martin Klingeberg-Skascrapers-Farblinolschnitt 2009
Ausstellungen und Aktionen 2011:
18. Mindelheimer Jazztage
Die 18.Mindelheimer Jazztage JAZZ ISCH! vom 31.März bis 3.April 2011 werben mit dem Farbholzschnitt "Axel Dörner - Jazz in E." (2005) von Matthias Schwarz.
<<< www.e-msx.de
Ausstellungen und Aktionen 2010:
Aktion Schaufenstergedichte der Gruppe „un“
Auftakt zum „Kunstprojekt in der Eisenbahnstraße“
<<< Pressetext

Kunstspeicher an der B167 in Friedersdorf
9.Juli-26.September 2010
Eröffnung: 9.Juli 2010, 19.30 Uhr
Frankfurter Str.39, 15306 Vierlinden OT Friedersdorf
Tel. 03346/84 38 56
www.kunstspeicher-friedersdorf.de
<<< Presseankündigungen
<<< Presse - MOZ, 12.07.2010

Schloß Altranft
21.März-30.Mai 2010
www.freilichtmuseum-altranft.de
Eröffnung: Sonntag, 21.März 2010, 15.00 Uhr Einführung: Beate- Isa David (Vereinsvorsitzende)
Laudatio: Ingrid Ulandowski
Musik: Henrik Walsdorff (Saxofon) und
Antonio Borghini (Bass)
Galerie in der Unterfahrt
bis 6.März 2010 im Jazzclub Unterfahrt
www.unterfahrt.de
Ausstellungen 2009:

Galerie in der Unterfahrt
6.Dezember 2009 bis 6.März 2010 im Jazzclub Unterfahrt
Einsteinstr. 42, 81675 München
Eröffnung:
Sonntag, 6.Dezember 2009, 19.30 Uhr
www.unterfahrt.de
Galerie M1 Kunstzone in Gera
Mohrenplatz 1
29. Mai bis 5. Juli 2009
Konzerte - Stadtpfarrkirche Müncheberg
8. Januar bis 8. Februar 2009
Martin Klingeberg- Baby Bonk III, Linolschnitt, 2004, 16x21 cm
Ausstellungen 2008:

Ausstellung im Rahmen der 7. Fürstenwalder Jazztage in der Kulturfabrik Fürstenwalde
Oktober/November 2008
Teilnahme am 24. Wilhelmsauer Kunstmarkt am 6. und 7.12.2008
Fachwerkkirche Wilhelmsaue
<<< www.kunst-im-oderbruch.de
Slide Movements Orchestra - Jazz in E. IV 2004 - Linolschnitt 25 x 34
Ausstellungen 2007:
Kleine Galerie Eberswalde - Jürgen Haufe/Matthias Schwarz: Jazz - Eröffnung am 25.April 2007
<<< Ausstellungskatalog
Beteiligung an der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung 2007
in Kooperation mit der Stiftung
Schloß Neuhardenberg - Juli 2007
- Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen

Die ausgestellten Drucke:
Paul Kleber - Flexkögel /
Paul Kleber - Flexkögel III / Paul Kleber - Flexkögel IV / Paul Kleber - Flexkögel V
Ausstellungen 2006:
Beteiligung an der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen
Oderzeitung in Kooperation mit der Stiftung Schloß Neuhardenberg
Eberswalde - GALERIE PLANTASIE - "Akt - Druckgrafik von Matthias Schwarz"
JAZZCLUB UNTERFAHRT MÜNCHEN - "Jazzgrafiken von Matthias Schwarz"
Pressetexte
Flüchtige Momente in Linol gebannt
Eberswalde (moz) Ein paar eilige Striche sind es nur, großflächige Schatten und schnell hingeworfene Formen. Doch die Musiker, die Matthias Schwarz mit seinen Linolschnitten in Aktion porträtiert, wirken dennoch lebendig und präsent. Mit seinen Bildern kultiviert der Eberswalder die Kunst, alles Wesentliche einer Situation mit reduzierten Ausdrucksmitteln zu erfassen: Einen Kontrabassisten, der zu einem furiosen Solo ansetzt. Saxofonisten mit aufgeblähten Wangen. Oder wild herumwirbelnde Schlagzeuger.
Seit dem Jahr 2000 widmet der hauptberufliche Krankenpfleger, Jahrgang 1971, sich gezielt der Konzertmalerei. Bei Jazzkonzerten beispielsweise im Rahmen des Festivals „Jazz in E“ verfolgt er das Geschehen auf der Bühne aufmerksam von einem Sitzplatz aus, studiert genau die Bewegungen der Instrumentalisten und legt mit Bleistift und Zeichenblock los. „Da muss alles sehr schnell gehen, oft ist eine Zeichnung schon nach einer Minute fertig.“ Das Festhalten flüchtiger Momente fasziniert den ambitionierten Hobbykünstler, die Posen der Musiker beim Improvisieren.
Der aufwendigere Teil der Arbeit beginnt hinterher zu Hause. Schwarz verbringt viel Zeit damit, die besten Momentaufnahmen aus seinem vollen Block auszuwählen und für den Druck vorzubereiten. Die Vorzeichnungen werden seitenverkehrt auf das Linoleum gelegt, dann beginnt er mit dem Ausschneiden. An dieser Stelle bekommen die Zeichnungen ihren markanten Charakter mit schattigen Flächen und klaren Formen. Gedruckt wird dann später mit ölhaltiger Linolschnittfarbe.
Seit einigen Jahren bringt Matthias Schwarz regelmäßig einen Kalender mit den besten seiner Konzertzeichnungen in Kleinauflagen heraus, die Bilder sind aber auch als Einzelwerke eindrucksvoll.
Zum Schnellzeichnen ist Matthias Schwarz ursprünglich per Zufall gekommen, erzählt er. Udo Muszynski, Organisator des „Jazz in E“-Festivals, hat vor Jahren einen Fotografen gesucht, der die Konzertabende dokumentieren könnte. „Ich habe mir das überlegt und dann angefangen, mich an Zeichnungen der Konzerte zu versuchen“, sagt Schwarz. Jazz war eigentlich gar nicht seine große Leidenschaft. „Aber ich habe mich nach und nach damit angefreundet. Und mit der Zeit bin ich beim Zeichnen immer schneller und besser geworden.“ Inzwischen kann Schwarz auf einen großen Erfahrungshorizont zurückblicken. Er weiß aus dem Bauch heraus, wann er einen Instrumentalisten am besten in einer spannenden Körperhaltung erfassen kann.
Auch an anderen Musikstilen hat er sich schon versucht. „Aber man braucht doch eine ruhige Ecke zum Arbeiten, das ist bei Heavy Metal eher schwierig.“ An Jazzkonzerten mag Matthias Schwarz deshalb, dass dort eine besondere „konzentrierte Atmosphäre“ herrscht. Auch das enthusiastische Publikum an vielen Abenden hat es ihm angetan.
Kontakt zum Künstler: Tel. 03334 382057, matthias-schwarz@telta.de, Bildergalerie unter www.mescal.de/schwarz/
bkruse 15.12.2010 08:22 Uhr
Aus Jazz werden Grafiken
Von Mandy Timm
Friedersdorf (moz) Tempo und Dynamik: Das ist es, woraus Matthias Schwarz’ Kunst gemacht ist. Die dünnen Schlagstöcke eines Musikers, übergroße Kopfhörer eines DJs, ein Bart, eine Brille, üppige Haarpracht – seine Grafiken bestehen aus bildhaften Notizen, die während Konzerten entstehen. Die Grafiken und Linolschnitte lassen lediglich grobe Formen erkennen, Schraffierungen, Linien, Rundungen. Immerwieder tauchen riesige, starke Hände auf, die feine Seiten eines Kontrabasses zupfen, auf dem Saxophon spielen oder einer Trompete.
Matthias Schwarz, in Eberswalde aufgewachsen und zuhause, ist sozusagen der Haus- und Hofgrafiker des Festivals Jazz in E. und Purpur der Waldstadt. Während der Konzerte taucht er im Publikum mit Bleistift und Skizzenbuch in die Musik ab und zeichnet, was er sieht, was er für wichtig hält. Weglassen lautet sein Prinzip, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Etwa 60 bis 100 Skizzen entstehen während eines Konzertes.
Später, wenn er aus den Skizzen Grafiken fertigt, bestimmen nicht nur klare Formen die Bilder, sondern auch Farben. Der Künstler setzt auf Kontraste – Schwarz auf kräftigem Gelb oder intensivem Rot. Die Wirkung: dynamisch – so wie die Musik, die erst auf den Jazzkonzerten läuft und später beim Betrachten der Grafiken im Kopf. Am Freitagabend wurde im Kunstspeicher eine Ausstellung von Matthias Schwarz eröffnet. Die Schau heißt „Jazz und Druckgrafiken“ und ist bis zum 26. September auf zwei Speicherböden zu sehen. Nach der Vernissage spielte die Jazzband „electric krause“ auf der Wirtshaus-Terrasse.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr
MOZ, 12.07.2010 07:15 Uhr,
Red. Seelow
Linolschnitte in Jazz-Melodien verpackt
Von Heike Mildner
Altranft Zur Eröffnung der ersten Ausstellung des Jahres waren die Galerieräume des Schlosses Altranft am Sonntagnachmittag gut besucht. Neben den Freunden des Fördervereins kamen diesmal vor allem Freunde einer Musikrichtung ins Schloss, die hier bislang wenig präsent war, der des Jazz.
Zufall war das nicht, hat sich doch der ausstellende Matthias Schwarz als künstlerischer Dokumentarist der Eberswalder Jazzszene einen Namen gemacht. Beata-Isa David, Vorsitzende des Fördervereins, stellte den Eberswalder den Vernissagegästen vor: Jahrgang 1971, Autodidakt, der in einem Zeichenzirkel angefangen hat und sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre auf Porträts jener Musiker spezialisiert hat, die beim alljährlichen Jazzfestival "Jazz in E." zu hören sind. Schwarz sitzt während der Konzerte in Bühnennähe, skizziert, setzt in Striche und Linien um, was er hört und sieht. Später im Atelier wird sortiert und komprimiert, denn für den Linolschnitt braucht man klare Vorstellungen von Flächen und deutlichen, nicht angedeuteten Linien.
Auch während Henrik Walsdorff am Saxophon und Antonio Borghini am Bass zur Eröffnung der Ausstellung spielten - eine sparsame Instrumentenkombination, die man so nicht oft, oder nur als Passage innerhalb eines größeren musikalischen Rahmens zu hören bekommt - hatte Matthias Schwarz sein Skizzenbuch auf den Knien und zeichnete. Für den Berliner Saxophonisten nichts Neues, er sei schon mittels Linolschnitt verewigt, und fühle sich gut damit, meint der Jazzer und zeigt auf eine CD mit seinem Konterfei auf dem Cover in der Ausstellungsvitrine. Erkennen würde man ihn allerdings nicht in einem porträthaften Sinne. All die Musiker - Saxophonisten wie er, Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger, DJs an Turntables - sie sind in der Geste festgehalten. An ungewöhnlichen Frisuren oder Accessoires mögen Kenner sie erkennen. Für den Nichtkundigen der Jazzszene werden die Gesichter hinter den stilisierten Figuren verborgen bleiben. Musikalische Momentaufnahmen sind es jedoch auch ohne Wissen der Person und gut anzuschauen in ihrer Dynamik und Konzentration auf Wesentliches. Bis Ende Mai werden sie in Altranft zu sehen sein.
Ausstellung im Schloss Altranft bis 31. Mai von Di bis Fr 10 bis 16 Uhr, Sa, So 11 bis 16 Uhr ab 1. April, Di bis Fr 9 bis 17 Uhr, Sa, So 11 bis 18 Uhr
MOZ Dienstag, 23. März 2010 (18:59)
Töne in Linoleum geschnitten
Der Eberswalder Grafiker Matthias Schwarz macht Musik sichtbar
Von Thomas Melzer
Matthias Schwarz ist wohl der einzige Junggeselle, dem fünf Wäscheständer gehören. Heute werden sie aufgestellt. Terpentingeruch verölt die Luft, so riecht kein Waschtag. Farbfeuchte Mannsbilder auf weißem Papier reihen sich zum Trocknen, mit Klammern penibel ausgerichtet wie preußische Infanterie. Es sind Linoldrucke von Jazzmusikern, einer Hochdruckpresse frisch entnommen. Der Eberswalder Grafiker bereitet im Atelier seine nächste Ausstellung vor. Im renommierten Münchner Jazzclub “Unterfahrt” werden seine Werke demnächst zu sehen sein. Die deutsche Jazzszene wird seit Jahren von einigen guten Fotografen dokumentiert, aber nur von wenigen guten Grafikern. Matthias Schwarz ist einer von ihnen. Seine unverwechselbaren Musikergestalten zieren CD-Cover, Jazzkalender, die Monatsprogramme des Dresdner Jazzclubs “Neue Tonne”, Ausstellungen und etliche Probenräume. Im nächsten Jahr wird in seiner Heimatstadt Eberswalde anlässlich des traditionsreichen Festivals “Jazz in E.” eine große Personalausstellung zu sehen sein: Matthias Schwarz neben Jürgen Haufe, dem 1999 gestorbenen, bedeutendsten Jazzgrafiker der DDR.
Zum Gespräch empfängt Schwarz gekleidet in einer rundum mit Posthörnern bedruckten Weste. Zum Betreten seines Ateliers stellt er gefütterte Hausschuhe bereit. Der 35jährige strahlt eine liebenswerte Skurrilität aus, seine Sprache einen flapsigen Witz. Er sei schon immer eher Individualist gewesen, sagt er. Nach dem Zivildienst in einem Altenheim wird er Krankenpfleger in der geriatrischen Abteilung des Werner-Forßmann-Krankenhauses Eberswalde. Dort ist er seit zehn Jahren und will nicht weg.(…). Seinen Dienstplan - 7 Tage, 24 Stunden - versucht Schwarz nach dem Eberswalder Konzertkalender auszurichten. Alle zwei Wochen sieht man ihn in Bühnennähe sitzen, ein Bier in Griffnähe, Skizzenbücher mit schnellen, ausholenden Handbewegungen füllen. Bis zu 60 Skizzen entstehen in einem Konzert und aus diesen bis zu zehn Linol- oder Holzschnitte. (…)
Schwarz hat mit dem ambitionierten Zeichnen 1987 in einem Zeichenzirkel angefangen. Aus diesem entstand später die Gruppe Neue Malerei, die heute in der Zainhammer Mühle in Eberswalde ein Kunsthaus betreibt. (…) Er entdeckte den Linolschnitt als die ihm gemäße Ausdrucksform, “weil man dafür keine leichte Hand braucht, die ich nicht habe.” Künstlerisch orientierte er sich frühzeitig an den Dresdner Expressionisten, vor allem Kirchner und Schmidt-Rottluff. Was ihm fehlte, waren eigene Motive.
Die fand er in der Musik. (…) Als Muszynski, der Gründungsvater der heutigen Eberswalder Musikszene, vor sechs Jahren keinen Fotografen fand, der “Jazz in E.” mit Leidenschaft dokumentieren wollte, fiel ihm Matthias Schwarz ein, der ja zeichnen konnte. Und dessen Naturell ein ‘nein’ kaum zulässt. So skizzierte Schwarz also im Mai 2000 Claus van Bebber, setzte die Bleistiftstriche in Linoldrucke um und hatte sein Metier gefunden. (…) Der Jazzpublizist Mathias Bäumel hat die Linol- und Holzschnitte von Matthias Schwarz inzwischen mit Ikonen aus orthodoxen Kirchen verglichen. (…)
Große Hände und Musikinstrumente dominieren die Schwarz`schen Grafiken - und neuerdings große Busen. Seine Mutter habe gekichert, als sie seine Aktgrafiken im Atelier entdeckte. Vielleicht ja, weil sie ein Modell zu erkennen meinte. Doch die Wahrscheinlichkeit ist gering, nie war die Anonymität von Modellen ungefährdeter. Der Individualist Schwarz nimmt seinen Motiven die Individualität. Am faszinierendsten an seiner Kunst ist wohl, welche Leichtigkeit er mit schweren Strichen herstellt. Seine Frauenkörper entsprechen keinem gängigen Schönheitsideal und wirken doch schön und anmutig. Falls Schwarz hier den Code zum Verständnis weiblicher Körperlichkeit geknackt haben sollte - die geschlechterübergreifend freundlichen Reaktionen auf seine erste Aktausstellung vor kurzem in der Eberswalder Galerie “Plantasie” lassen darauf schließen -, hat er die Blickschärfe dafür beim Jazzzeichnen erworben. Seine Bilder geben Musik wieder, Musiker nur scheinbar. Man würde den Jazztrompeter Axel Dörner auf der Straße nicht zunicken, nachdem man sein von Mathias Schwarz geschaffenes Bildnis gesehen hat. Aber man würde vielleicht ja seinen Trompetenklang oder zumindest die Stimmung seiner Musik erkennen, sollte man sie im Radio hören. Indem Matthias Schwarz in seiner Kunst reduziert, lehrt er das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen - durch aufmerksames Hören und Sehen.
Beim Ausziehen der Hausschuhe fällt durch ein bleigefasstes Kirchenfenster farbiges Sonnenlicht in den Flur. Nein, kein Kirchen-, ein Küchentürfenster. Matthias Schwarz hat einen skizzierten Jazzmusiker in Glas umsetzen lassen. Dieser Mann ist eben skurril, aber seine Kunst keineswegs profan.
Märkische Oderzeitung / 30. Dezember 2006
<<< Werkstattfoto
Jazz-Ikonografie - zeitgemäß und angemessen
Der Grafiker Matthias Schwarz schneidet Jazz in Linoleum und Holz
Der in Eberswalde lebende Grafiker Matthias Schwarz ist in der Jazzszene
kein Unbekannter, zumindest in der von Ostdeutschland nicht. Etwa ein
Jahr lang zierten seine Linol- und Holzschnitte die Titel der gedruckten
Monatsprogramme des Jazzclubs Neue Tonne Dresden, seine Kunst begleitete
seit längerem schon die Eberswalder Jazzprojekte "Jazz in E.",
seit 1997 veröffentlichte Schwarz mehrere Kalender und Künstlerbücher
mit seinen Schnitten, in bisher mehr als zehn Einzel- und Gruppenausstellungen
waren seine Werke zu sehen. Die Zahl der Jazzmusiker, die Schwarz
in Holz oder Linoleum schnitt, scheint kaum noch überschaubar.
Dabei ist klar: Schon allein die Wahl seiner künstlerischen Technik,
mit der Schwarz ganz speziell dem Phänomen Jazz zu Leibe rückt,
macht seine Kunst zu etwas Besonderem - wo sonst noch hätte man Linol-
und Holzschnitte zum Jazzthema gesehen?
Betrachtet man den Reigen der Schwarz'schen Schnitte zum Thema Jazz,
nimmt man in dreierlei Hinsicht ein Paradoxon wahr.
Zum ersten: Das künstlerische Verfahren des Schnittes steht dem künstlerischen
Verfahren des Jazz konträr gegenüber.
Zum zweiten: Das ästhetische Wesen der Schwarz'schen Kunst steht
dem künstlerischen Wesen des Jazz, speziell dem des zeitgenössischen
Jazz, diametral gegenüber.
Und drittens: Die künstlerische Gestaltung der Linol- und Holzschnitte
steht der Ideologie des zeitgenössischen Jazz entgegen.
Was bedeuten diese drei Aspekte genauer?
Matthias Schwarz schneidet aus einem homogenen, kompakten Ausgangsmaterial
etwas weg; im Übriggebliebenen liegt die künstlerische Botschaft.
Gerade anders herum verhält es sich dagegen beim Musizieren: In die
Stille, in die Leere, in das Nichtvorhandene wird etwas eingefügt.
Wenn man unter Musik das "so in dieser Weise noch nicht Gehörte"
versteht, eine Auffassung, die sehr anregend sein kann, gehen von den
Schwarz'schen Druckgrafiken verblüffende Impulse aus. Man stelle
sich ein "weißes Rauschen" vor, und die Instrumente nehmen
beim Spielen jeweilige Frequenzen weg, sie entfernen gewissermaßen
aus dem kompakten Vorhandensein aller denkbaren Frenquenzen zielgerichtet
einzelne Frequenzen und gar ganze Frequenzbereiche: so entstünde
Musik à la Matthias Schwarz.
Zeitgenössischer Jazz ist Offenheit, Flüchtigkeit, Wandel, Bewegung,
Schnelligkeit, Dynamik, Improvisation. Matthias Schwarz dagegen entwickelt
Statisch-Zeichenhaftes, Intim-Abgeschlossenes (nicht zufällig haben
all seine Linol- und Holzschnitte stets eine Umrandung, die visuell eine
Abgeschlossenheit schafft), ja sogar Raffiniert-Possierliches. Und so
sind die Schwarz'schen Werke nichts anderes als karge, auf wenige Linien
und Flächen reduzierte Ikonen, ja: fast Signets des zeitgenössischen
Jazz in Schwarz-Weiß - und manchmal in der Farbe des Teufels, in
Rot.
Worin besteht das Wesen des zeitgenössischen Jazz? Wer diese Frage
beantworten will, dessen Denken dreht sich herkömmlicherweise um
die in diesem Zusammenhang immer wieder bemühten Begriffe wie Individualität
und Authentizität. Das Solo im zeitgenössischen Jazz gilt als
Klang gewordene "Verkörperung" des Ideologems vom authentischen
Ausdruck der genialischen Jazzmusiker-Individualität. Jazzbezogene
Kunst, allen voran das Meiste aus der Jazzfotografie, bedient diese Auffassung.
Jazzfotografen versuchen häufig, das Genialisch-Schöpferische
des jeweiligen Künstlers visuell zu vermitteln, entweder mittels
symbolistischer Porträts, in denen etwa ein Saxofonist sinnierend
wie ein Philosoph dargestellt wird, oder durch Fotos, die dem Prozesshaften
des Musikzierens und dessen spiel-psychischen Aspekten auf der Spur sind.
Nicht so jedoch Schwarz mit seinen Linol- und Holzschnitten. Im Gegenteil
- die von Schwarz dargestellten Musiker sind jeder Individualität
beraubt, ja, sie sind noch nicht einmal durch äußere Indizien
personell kenntlich gemacht.
Und dennoch sind sie faszinierend. Wandelt man an den Linol- und Holzschnitten
in einer Schwarz-Ausstellung entlang, entsteht tatsächlich ein Eindruck
wie vor Ikonenwänden in orthodoxen Kirchen. Auch die Ikonen dort
erzählen nichts über die wirklichen Individualitäten der
Heiligen, nichts über deren reales Leben, nichts über Tätigkeiten,
Aufgaben, Leiden oder Erlebnisse. Von der Vermittlung von Authentizität
ganz zu schweigen... Trotzdem strahlen sie das Flair christlichen Daseins
aus, sind mit spezifischer Bedeutung aufgeladene Elemente der visuellen
Ausstattung christlicher Kultur. So wie die Schnitte von Matthias Schwarz,
die ein einzigartiges Flair des zeitgenössischen Jazz vermitteln,
ohne dessen Üblichkeiten zu bedienen. Matthias Schwarz stellt mit
seinen Schnitten überraschende Fragen an unser Musikdenken, er drängt
mit ihnen auf die Erweiterung legitimer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten
und attackiert kunst-ideologische Voreingenommenheiten - kann es etwas
Zeitgemäßeres und dem Thema des zeitgenössischen Jazz
Angemesseneres geben? Wohl kaum.
Mathias Bäumel Mit freundlicher Genehmigung der Jazz-Zeitung,
2006
"Der Grafiker Matthias Schwarz gehört mit seinen
Linol- und Holzschnitten ebenso zur künstlerischen Jazzszene wie
Fotografen, Plakat- und CD-Hüllengestalter auch. Und dennoch ist
Schwarz' Kunst innerhalb dieser Szene etwas ganz Besonderes, mit seinen
Arbeiten beschreitet der Künstler einen völlig anderen Weg als
beispielsweise Jürgen Haufe mit seinen schwungvoll-offenen, auf Bewegung
orientierten Skizzen und freien Arbeiten und auch als Matthias Creutziger
mit seinen dynamisch wirkenden Foto-Psychogrammen.
Zeitgenössischer Jazz ist Offenheit, Flüchtigkeit, Wandel, Bewegung,
teils sogar Schnelligkeit, Dynamik, Improvisation - Schwarz dagegen schafft
Statisch-Zeichenhaftes, Intim-Abgeschlossenes, Raffiniert-Possierliches.
Seine Werke sind nichts anderes als karge, auf einfache Linien und Flächen
reduzierte Ikonen des zeitgenössischen Jazz in Schwarz-Weiß."
Mathias Bäumel, 2005
"Seltene, besondere Stücke sind das, kein Mainstream.
Oder wann hat man schon mal einen jazzigen Linolschnitt gesehen?
Weiß bleibt auf dem Papier, was Schwarz aus dem Linol herausgeschnitten
hat. Seine Leidenschaft ist die des Zuhörens, seine Kunst aber die
des Wegnehmens und die des Weglassens. Der Grafiker reduziert die Musiker
auf Gesten, Haltungen und auf Instrumente, die von übergroßen
Händen gespielt werden. Auch die Gesichter sind stilisiert. Und doch
wird mancher Jazzliebhaber seine Freude haben am überraschenden Erkennen,
wenn er die Namen der Musiker in den Bildtiteln liest. Und mancher Kunstfreund
wird erfreut registrieren, daß hier einer mit Hell und Dunkel, mit
klar abgegrenzten Flächen und prägnant gesetzten Strichen etwas
in ihm zum Klingen bringt, das er ursprünglich nur sehen und gar
nicht hören wollte."
Birgit Grimm in der Sächsischen Zeitung vom 22. November 2005
Schwarz - gedruckt
Schwarz' puristische Zeichen(Welt)
"Den knappsten Ausdruck für den größten Inhalt",
so faßte 1898 Julius Meier-Graefe die Eigenart von Vallottons graphischem
Stil zusammen. Diese Umschreibung läßt sich verallgemeinern
und kann generell für den Holzschnitt gelten.
Und im Besonderen möchte ich sie für das druckgraphische Werk
von Matthias Schwarz verwenden.
Seit seinen frühen Graphikausstellungen, die wir bis in das Jahr
1989 datieren können, ist die formale Reduktion unverkennbare Eigenart
in den Arbeiten von Schwarz.
Graphik ist alles!
Selbst im malerischen Gestalten strebt die Bildform zu graphischer Dominanz
und linearer Einfachheit. Auf ein "Notwendiges" reduziert, entscheidet
sich Schwarz für eine Klarheit der Figuration, die Wesentliches in
sich trägt und das Zuviel vermeidet.
Die Freude an dekorativer Ornamentik bleibt uns erspart.
Sein Purismus wird erkennbar in formalen Details, keineswegs aber im inhaltlichen
Ausdrucks.
Schwarz wurde durch die Dresdener Expressionisten auf den künstlerischen
Weg gebracht.
In seinen graphischen Arbeiten bewegt er sich im Spannungsfeld zwischen
Liniengeflechten eines Kirchners und jener Blockhaftigkeit, die wir in
den Holzschnitten von Schmidt-Rottluff finden.
Ausgangspunkt bildet die doch eher unordentliche und wirre Zeichnung,
die er konkretisiert. Denn die Zeichnung sind die Notizen der Augen.
In ihr dokumentiert sich nicht nur Erlebtes, sondern zugleich wird auch
die Abfolge der Augenbewegung festgehalten. Diese von Spontanität
und Schnelligkeit geprägte Skizze wandelt Schwarz wiederum in eine
geschlossene Schwarz-Weiß-Komposition und bringt damit das Abbild
in eine Klarheit der Aussage. Die Plakation der Figuren unterstreicht
sein Anliegen.
In der bewußten Reduktion auf Zweidimensionalität, bleibt der
Raum subtil.
Wie "Silhouetten" setzt er die Musiker vor den weißen
Hintergrund. In einem Spiel aus Linien und Flächen durchdringt zuweilen
das Weiß den Körper und verleiht ihm eine Transparenz im Raum.
So tragen seine Figuren den Charakter eines Zeichens.
Seine graphische Zeichenwelt gleicht-ähnelt der Welt eines Schriftstellers.
Eine Welt aus Schwarz und Weiß.
Nach Boris Groys markiert die Farbe Schwarz die Präsenz eines Zeichens.
Die Farbe weiß steht demnach für die Abwesenheit eines Zeichens.
Somit ist das Leben des Schriftstellers schwarz und sein Tod ist weiß.
Der Schriftsteller erobert das Weiße durch das Schwarze, in dem
er seine Zeichen auf das Papier setzt. Er hat seine Spuren hinterlassen.
Er hat gelebt.
Der Druckgraphiker arbeitet umgekehrt. Indem er herausschneidet, läßt
er einzelne Dinge sichtbar werden. Seine hinterlassenen Spuren sind Weiß.
Das Sein verdeutlicht sich nur im Diametralen, also durch den Tod.
"Im Wegnehmen liegt das Rätsel des Entstehens."
Das Wechselspiel zwischen Kanten und Kurven, zwischen Strenge und Schwingung,
hält das Auge des Suchenden in der eigentümlichen Ambivalenz
des Sehens.
Konzentration und Wegleiten des Blickes in der Auseinandersetzung mit
dem Werk, leben in jenem unaussprechlichen Widerspruch.
Die Figuren tanzen im Nichts.
Schwarz läßt keinen Bezug zum Realraum zu. Denn völlige
Transparenz verbreitet sich hinter den Musikern. Der Blick des Betrachters,
einmal vom Wesentlichen abgeglitten, würde sich im Nichts verlieren.
Um dem entgegen zu wirken setzt Schwarz einen festen Rand, der uns zurück
holt und uns wieder auf das Wesentliche verweist.
Stephan Babendererde, 2001
1 Vgl. Groys, Boris: "S/W" in Thomas Zaunschirn (Hrsg.): "Die
Farben Schwarz", Wien 1999, S. 93-96
2 Swantje Leifer, Katalogtext: "Werkverzeichnis der Holzschnitte
von Sibylle Leifer"
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